Sven Späters Wortgrotte
 
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Der Mann mit dem gelben Koffer (Kurzgeschichten, Horror), in Bearbeitung
"Diese Kurzgeschichtensammlung befindet sich noch in der Bearbeitung. Zwar habe ich die Geschichten schon ausgewählt, aber sie bedürfen noch einer Frischzellenkur.

Viele der darin enthaltenen Short-Stories stammen aus einer recht frühen Schaffensperiode.

Hier einige Eindrücke:




Experiment 105

Ein neues Zeitalter war angebrochen. Nach Jahrzehnten der medizinischen Forschung konnte der Mensch nun endlich über sein Aussehen selbst entscheiden. Vorbei war die Zeit, in der er sich dem Willen der Natur unterwerfen musste. Längst vorbei. Heute durfte man sogar schon vor der Geburt des eigenen Kindes gewisse Schönheitskorrekturen am Fötus im Mutterlaib vornehmen.

Trotz der rosigen Aussichten für Schönheitschirurgen schien Dr. Malcolm Garnier nicht ganz zufrieden zu sein. Viel zu wenige Menschen nutzten ihre Chance auf gutes Aussehen. New-Age-Spinner hatten die Mehrheit davon überzeugt, dass es besser war, wieder den natürlichen Vorgängen mehr Macht zu gewähren.

Eine Rückbesinnung, nannten sie es. Den Schritt hin zum Natürlichen. Garnier sah darin aber weder etwas Gutes, noch erschien es ihm sinnvoll, denn die Umwelt hatte sich verändert. Sie war den Lebewesen gegenüber nun feindseliger geworden. Nicht zuletzt ein Umstand, der dem Menschen selbst zu verdanken war.

Nuklearer Müll, Giftstoffe im Boden und den Gewässern, die stärker schwindende Ozonschicht und Nahrung, die zum größten Teil aus Chemie bestand, forderten ihren Tribut. Die Leute wurden immer hässlicher.

Überall liefen einem missgestaltete Menschen über den Weg, die Garnier ein Dorn im Auge waren. Er nannte sie Freaks, Mutanten. Für ihn hatten sie kaum noch etwas Menschliches an sich. Abarten der Natur, die jedoch den Großteil der Weltbevölkerung ausmachten.

Dr. Malcolm Garnier gehörte zu dem kleinen Teil der Normalen, wie er es immer auszudrücken pflegte. Aber er war nicht nur normal, sondern auch gutaussehend, und wenn er etwas nicht leiden konnte, dann waren es Mutationen bei Menschen.

Dr. Garnier? Hallo?“

Garnier wandte sich vom Monitor ab, auf dem das Bild einer entstellten Frau zu sehen war, die er als Testobjekt für neue Behandlungsmethoden angefordert hatte. Vor der offenen Tür seines Büros stand Dr. Charlotte Elis, seine geschätzte Kollegin. Wie immer hatte sie nicht den Mut, das Büro einfach zu betreten, so wie alle anderen. Ihr bekamen die Jahre in der Abgeschiedenheit unterirdischer Bunker nicht, sie hatte sich von einer Partylöwin in eine ängstliche Maus verwandelt. Zum Glück verstand es Charlotte noch immer, sich aufreizend zu kleiden und auch Schminken hatte sie noch nicht verlernt. Dennoch gab sie ein jämmerliches Bild ab, verglich man sie mit der früheren Dr. Elis.

Komm doch herein. Und hör endlich auf, mich Dr. Garnier zu nennen. Malcolm tut es auch. Wir sitzen hier doch alle im selben Boot.“ 

(...)


***

Der Mann mit dem gelben Koffer


Eines schönen Tages erschien ein unscheinbarer Mann, gekleidet in einen alten, verwaschenen Anzug in einer kleinen Stadt. Er trug nichts bei sich, außer einem gelben Koffer. Zu groß für eine Aktentasche, zu klein als Reisegepäck. Sein schütteres Haar umgab den blanken Schädel gleich einem Kranz aus staubigem Stroh. Auf der Nase des Mannes saß eine dicke, schwarze Hornbrille, die längst schon aus der Mode gekommen war. Der Mund war so schmallippig, dass es ständig aussah als würde er sich gewaltig anstrengen, ganz gleich was er gerade tat.

Der Mann zog in eines der schönen, neuen Häuser ein. Teuer waren die Wohnungen in diesen Gebäuden. Viel zu teuer für arme Leute, aber der fremde Mann verfügte scheinbar über genügend Finanzkraft. Sie wurden üblicher Weise von Leuten bewohnt, die etwas zu sagen hatten - wenn auch meist unnützes Zeug.

Niemand wusste wer dieser Mann eigentlich war, was und wo er arbeitete. Niemand konnte ihn leiden, da er sich zwar freundlich und zuvorkommend verhielt, aber ganz gewiss etwas zu verbergen hatte. Menschen, die tagein, tagaus mit einem mysteriösen Koffer durch die Gegend wanderten und nicht plapperten, konnten nicht normal sein. Die hatten Dreck am Stecken, man musste nur danach suchen.

So entschloss sich nach einigen Wochen des Abwartens und Beobachtens Gunnar dazu, der Sache auf den Grund zu gehen. Ihm war der Mann mit dem gelben Aktenkoffer ein Dorn im Auge seitdem dieser in die leere Wohnung nebenan gezogen war. Als Hausmeister des teuren Blocks gehörte es auch zu seinen Aufgaben, zwielichtige Bewohner ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Sein Block war sauber und anständig. Genau das sollte er auch bleiben.

An dem Typen war etwas Unheimliches“, sagte er eines Morgens beim Frühstück zu seiner Lebensgefährtin, die zuerst nicht so recht wusste, was sie mit dieser Aussage anfangen sollte. Dementsprechend dämlich schaute sie Gunnar auch an.

Sandra, Mensch! Merkst du das denn nicht? Der Kerl hat was zu verbergen.“

Nichts klingelte unter ihrer mit Wasserstoff gebleichter Mähne. Bevor sie sich aber die Blöße der Unwissenheit eingestand, antwortete sie Gunnar mit den unverfänglichsten Worten, die es je gegeben hatte: „Kann schon sein.“

Ihr Freund gab sich mit dem zufrieden, nippte an seinem Kaffee und schaute aus dem Fenster. Gerade rechtzeitig, wie er feststellte, denn der neue Mieter verließ just in diesem Augenblick das Gebäude und ging den Weg zur Straße entlang. In seiner Rechten trug er den gelben Koffer. Fast nie sah man den Kerl ohne dieses Ding. Was er wohl darin versteckte?

Gunnar deutete hektisch zum Fenster: „Da, schau doch, da ist er wieder. Schau dir nur diesen Gang an, wie er starr geradeaus schaut – das ist doch richtig bedrohlich.“

Ach“, meinte Sandra nur, „den meinst du. Der ist doch harmlos.“

Harmlos? So, wie der sich aufführt? War ja klar, dass du wieder mal keine Ahnung hast.“

Wieder konzentrierte sich der Hausmeister auf den Mann mit dem gelben Koffer und beobachtete ihn ganz genau. Ohne wegzusehen murmelte er: „Ich wüsste zu gerne, wo der herkommt und was der überhaupt arbeitet. Das ist doch nicht normal.“

Dann frag ihn doch einfach.“

Mit einem wütenden Blick fuhr Gunnar herum und starrte Sandra an: „Du bist komplett bescheuert, oder? Wenn der kriminell ist und ich unterhalte mich mit dem ... was glaubst du, wo ich da reingezogen werde? Dann ist es aus mit dem schönen Leben hier, dann können wir ins Ghetto ziehen.“

Sandra zuckte nur mit den Schultern. Sie kannte ihren Freund lange genug um zu wissen, dass er sich manchmal unsinnige Gedanken machte. Er verbiss sich immer wieder in Sachen, die ihn nichts angingen. Nicht gut. Gar nicht gut.

Plötzlich schlug Gunnar mit der Faust so heftig auf den Küchentisch, dass Kaffee aus den beiden Tassen schwappte und sofort hässliche Flecken auf dem weißen Tischtuch hinterließ.

(...)


***


Tief im Kornfeld


(...)

Paul hatte noch nie einen Horror- oder Actionfilm gesehen, nie ein Computerspiel spielen können, in dem man kämpfte. All das war verboten. In der Schule wurde er oft genug deswegen gehänselt. Seine Klassenkameraden durften so viele Dinge, die Paul verwehrt blieben.

Vor seinen Füßen spielte sich mit einem Mal ein kleines Chaos ab. Die Ameisen hatten einen großen, schwarzen Käfer in der Mangel und wollten ihn in seine Bestandteile zerlegen. Vermutlich hatten sie ihn für tot gehalten, aber das Insekt lebte und wollte verzweifelt davonkrabbeln.

Einige Ameisen hatten bereits den Panzer durchbrochen und nagten sich ins Innere des Käfers vor. Aus den Wunden trat etwas hellgelbe Flüssigkeit, die entfernt an Eiter erinnerte. Voller Panik strampelten die kleinen Beinchen im Todeskampf. Es gab kein Entkommen. Nach kurzer Zeit bewegte er sich nicht mehr und emsig trug die Armeisenarmee Stücke ihrer Beute davon.

Paul fand das ganz lustig. Zuerst so voller Leben. Und jetzt...Stille.

Plötzlich hörte der Junge ein Krächzen über seinem Kopf. Er schaute nach oben und sah eine pechschwarze Krähe, die auf ihn zuhielt. Staunend beobachtete er den immer näher kommenden Vogel, der kurz vor Pauls Kopf eine Wende machte, sich den Käfer, gefüllt mit einigen Ameisen, schnappte und wieder in die Höhe schoss.

Wie Sarah wohl über dieses Schauspiel gedacht hätte, kam es ihm in den Sinn. Seine drei Jahre ältere Cousine befand sich noch auf der Feier, bei den anderen Erwachsenen. Obwohl sie auch noch nicht dem Teenageralter entwachsen war, gab sie sich wie eine richtige Frau. Sie kleidete sich elegant, achtete auf alberne Dinge wie Manieren und mischte schon in langweiligen Gesprächen mit.

(...)
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