Sven Späters Wortgrotte
 
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Gedichte ab 2010
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Hauptsache modern

Es winken die verbogenen Glieder,
Fratzen schreien dir entgegen.
Wehe, es wirkt steif und bieder,
es muss wild sein und verwegen.

Sind es Pflanzen, Menschen, Tiere?
Für manch einen bleibt's Geschmiere.

Die Landschaft schwimmt, die Bäume krumm,
ein Boot zerfließt im weiten Meer.
Ein Kenner fragt nach dem „Warum“,
ganz egal bleibt da das „Wer“.

Fehlt auch von Schönheit jede Spur,
so nennt man's Kunst, man nennt's Kultur.
 
***
 
Die Dankbarkeit
 
So ist es wohl die Dankbarkeit,
die einen von der Last befreit,
ein undankbarer Mensch zu sein,
unbedeutend, schwach und klein.

Sie ist versteckt im Augenblick,
der gewählt, mit viel Geschick,
der ohne Wort auch gut gedeiht,
bis sie kommt, die rechte Zeit.

In einem Lächeln kann sie stecken,
sich mit manchen Gesten recken.
Wer sie zeigt, kann sicher sein:
Das Gewissen bleibt ihm rein.


***
 
Dein Atem
 
Wie weit trägt mich dein Atem,
der die Wolken schiebt?
Will nicht länger warten,
auf das, was mich umgibt.
Will nicht länger stehen,
da alles sich bewegt.
Rund im Kreis sich drehen,
das wünsch' ich unentwegt.
Nicht krank am Boden liegen,
beraubt der Seligkeit.
Nein, wie ein Engel fliegen,
zum heilig sein bereit.
Nicht länger unten schwimmen,
wenn höchste Wellen brechen.
Sich lieber neu besinnen
und mit den Sternen sprechen.
Wie weit trägt mich dein Atem,
wird er mich je erreichen?
Ich kann nicht länger warten,
bin gleich unter den Gleichen.
 
***
 
Der Marsch
 
Keine Frage wird gefragt,
alles ist bereits gesagt.
Vorwärts geht es immerzu.
Schritt für Schritt für Schritt für Schritt.

Keine Lasten sind zu schwer,
Friede wird erstickt im Heer.
Heimwärts geht es in der Truh'.
Stück für Stück für Stück für Stück.

Leben geht im Dauerfeuer,
denn kein Leben scheint mehr teuer.
Reden halten Wiederkäuer.
Wort an Wort an Wort an Wort.

Ist die Rede erst gehalten,
geht es über dann zum Alten.
Leichen kann man gut verwalten.
Zahl an Zahl an Zahl an Zahl.
 
***
 
Gedanken der Blütenblätter
 
Auch wenn die Blume welkt, verblüht,
sind Blütenblätter noch bemüht,
des Lebens Rest in sich zu halten,
auch wenn sie sich nie mehr entfalten.
 
***

 

 
Die Stellenausschreibung
 
Wir suchen SIE!
So, wie noch nie!
Bewerben Sie sich heute,
wir brauchen gute Leute.
Sie verdienen bei uns viel,
Zufriedenheit ist unser Ziel.
Ein ganz famoser Job,
die Aufstiegschancen top,
Arbeitszeit ist gleitend,
die Schulung wegbereitend,
Urlaub, wie sonst nirgendwo
und … ein Arbeitnehmerklo!
Sie müssen nur flexibel sein,
Sie haben einen Führerschein
und auch einen eigenen Wagen,
arbeiten an Feiertagen,
an Wochenenden, in der Nacht,
eine Lehre ist gemacht,
ein Diplom mit guten Noten,
Doppel-Dr. ist geboten,
können fließend englisch reden,
auch französisch wird erbeten,
hebräisch, griechisch und Latein,
japanisch sollt' es auch noch sein.
Sie sind auch sehr berufserfahren,
kamen zur Welt vor zwanzig Jahren?
Ist dies vorhanden, ist's geschafft.
Werden Sie bei uns Reinigungskraft.
 
***
 
Das kleine Schwein
 
Zum Schlachter kam ein kleines Schwein,
das wollt' so gern geschlachtet sein.
Doch der Schlachter sagte: „Nein!
Das seh' ich doch gar nicht ein.“

„Gute Würste würd' ich geben,
außerdem stört mich das Leben.
Nach Höherem kann ich nicht streben.
Bin nur ein Schwein, das nervt mich eben.“

Der Schlachter nahm das Schlachterbeil,
zerlegte Schweinchen, Teil für Teil.
Ihn plagte eh die Langeweil'.
Dann bot er all die Stücke feil.

Wer da aß vom kleinen Schwein,
wollt' auch gern geschlachtet sein.
Dem saß die Trauer im Gebein,
der fühlte sich entsetzlich klein.

Bald hingen an den großen Eichen
viele Schweinchenesserleichen.
Die Tölpel sahen es als Zeichen,
so sollten nun die Eichen weichen.

Schlachter wurden rasch verbrannt,
denn es führte sie des Teufels Hand.
Wer an Wurst Geschmack noch fand,
der floh beherzt gleich aus dem Land.

Bald schon wurd' aus Größenwahn
ein geheimer Sonderplan.
Der warf die Erde aus der Bahn,
zur Sonne hin, mit Affenzahn.

Und die Moral von der Geschicht':
Depri-Schweinchen isst man nicht.
Man schminkt am besten ihr Gesicht
und schiebt sie raus ins Rampenlicht.
 
***
 
 
Suchaktion
 
Gesucht wird: das soziale Gewissen.
Den Volksvertretern wurd's entrissen.
Sie pflegen nun ein Wechselbalg,
das sie selbst ins Nest gelegt.
Man meint, es rieselt schon der Kalk,
da sich im Kopf ja sonst nichts regt.

Wo ist es hin? Wer hat es sich genommen?
Dem Volk ist es abhanden gekommen.
Wenn goldene Pfeifen klangvoll schrillen,
wird der Pfiff gleich nachgeahmt.
Lieber das eigene Denken killen
und nutzen, was schon eingerahmt.

Es fragt sich, wie lang es wohl verschollen bleibt.
Vielleicht bis der letzte Arbeitslose entleibt?
Dann kann man wieder Soziales erleben,
es gehört ja doch zum guten Ton.
Dann kann man wieder nach Idealen streben
und sind sie auch der blanke Hohn.
 
***

Seiltänzer
 
Am Himmel, dichte Wolkendecke,
der Grund, ein Meer aus Scherben.
Von Fels zu Fels spannt sich ein Seil,
wer stürzt, muss unten sterben.

Tanze, springe und jongliere
mit Bällen, die aus reinem Feuer.
Dornen regnen auf dein Haupt,
es fauchen kranke Ungeheuer.

Halte nur dein Gleichgewicht,
sonst droht der Fall nach Eden.
In der Mitte hängst du durch,
doch hältst beschwingte Reden.

Warte auf den Sonnenschein,
der aus der Tiefe dich erreicht.
Über dir ein Wellengang,
der dem im Meere gleicht.

Bist heilig im zerstörten Tempel,
so tanze, tanze frohgemut.
Wenn dir doch nur Flügel wüchsen,
die dich schützten vor der Flut.

Breite deine Arme aus,
die Augen schließe fest.
Vertraue keiner Illusion,
das Sein besorgt den Rest.
 
***
 
Ein Teufel mit Schleife
 
Der schrecklich heiße Sommertag
treibt mich hin zur Stadt.
Hitze, die ich gar nicht mag,
macht mich müd' und matt.

Ich schlendere durch Gassen,
die mir Schatten spenden.
Fernab von den Massen,
die sich beim braten wenden.

Den kleinen Hund mit Schleife
seh' ich jetzt gerade.
Bevor ich es begreife,
schnappt er sich meine Wade.

„Au!“, schrei' ich vor Qual.
„Lass los! Lass mich in Ruh'!“
Dem Hund ist das egal,
er beißt gleich fester zu.

Endlich lässt er ab,
ich möchte nur rasch fort.
Ein kurzer Sprung und „Schnapp!“,
er hält mich hier am Ort.

Ich fass' es nicht und röchel',
spitze Zähne dringen
in meinen bloßen Knöchel.
Er wird mich wohl verschlingen.

Mein lauter Hilfeschrei
wird leider nicht gehört.
Niemand kommt herbei,
der Hund beißt ungestört.

Er hängt mir noch am Bein
als endlich jemand naht.
Die Frau schimpft los: „Sie Schwein!“
und kommt dann erst in Fahrt:

„Was haben Sie getan?
Das Schleifchen ist gerissen!“
„Ja, sind Sie denn im Wahn?
Ihr Hund hat mich gebissen!“

Sie schaut auf meine Wunden
und lacht aus ganzem Herzen.
Ich steh' nur da, geschunden,
keuche, ob der Schmerzen.

„Mein Schatz ist doch so niedlich,
der kann doch nicht fest beißen.
Zudem ist er ganz friedlich.
Das werd' ich jetzt beweisen!“

Sie geht zur Tür hinein,
lässt ihn wieder frei.
Entsetzt schrei' ich noch: „Nein!“,
doch das ist einerlei.

All den spitzen Zähnen
kann ich nicht entweichen.
Ich muss wohl nicht erwähnen,
dass dies mich lässt erbleichen.

Nach einer halben Stunde
ertönt der Frau Gepfeife.
Ich bin befreit vom Hunde,
vom Teufel mit der Schleife.
 
***
 
Wie soll es werden?
 
Des Bürgers Meinung?
Ist nicht wichtig!
Der Bundesrat?
Null und nichtig!
Demokratisch?
Mit uns nicht!
Sozial? Gerecht?
Ach, was! Verzicht!

So gibt man sich im Bundesstaat.
Wenn sich Macht, mit Geld gepaart,
gegen jeden Wähler richtet,
wird Freiheit generell vernichtet.
Zu kaufen mag es die noch geben.
Wer's nicht kann, den straft das Leben,
den packt man rasch in eine Rolle.
Die muss er spielen. Staatskontrolle!

Man kann nur nicken und nur kriechen
oder auch im Tümpel siechen.
Man kann vielleicht die Flucht ergreifen,
ziellos durch die Lande streifen.
Wer sich dann in Demut kleidet,
wird ganz sicher nicht beneidet
von denen, dich gern Freiheit schmecken,
von denen, die sich nicht verstecken.

Des Bürgers Meinung?
Hört doch hin!
Der Bundesrat?
Hat seinen Sinn!
Demokratisch?
Jetzt wird’s Zeit!
Sozial? Gerecht?
Schafft Einigkeit!
 
***
 
Von Zeit zu Zeit
 
Von Zeit zu Zeit stellt man die Frage:
„Wo geh' ich hin? Wo möcht' ich sein?“
Ein jeder brav sein Kreuze trage
in diese kalte Welt hinein.

Vorbei an jedem garst'gen Spötter,
ist dann der Gang auch noch so schwer.
Bedenke: Sie sind keine Götter,
es ist nur deren Herz so leer.

Wohin du gehst, bleibt deine Wahl,
auch wenn dich viele Bahnen führen.
Den Wesenskern als heil'gen Gral,
sollst du in deiner Seele spüren.
 
***

Ja, wir glauben das
 
Die Regierung zeigt Geschlossenheit.
Liegt sie auch im Clinch und Streit,
heißt das nicht, sie sei bereit,
das zu tun, was uns befreit.

Ein Machtwort, zwischendurch gesprochen,
soll die Zänker unterjochen,
doch die kämpfen um die Knochen,
die abgenagt und längst zerbrochen.

Mimt ein Streiter mal den Punk,
nimmt er seinen Hut zum Dank,
schleicht zur allerletzten Bank
und meint: „Die Posse macht mich krank.“

Unermüdlich wird bewiesen,
wie allerorten Blümlein sprießen,
selbst wenn auf den kargen Wiesen
nur mehr Jauchebäche fließen.

Regierungsfähig ist man immer,
wird es auch im Lande schlimmer,
so gibt es doch den Hoffnungsschimmer,
der nur glimmt im Wartezimmer.

Die Qualität der großen Lügen
muss man heutzutage rügen.
Früher war es ein Betrügen,
mehr versteckt in vollen Krügen.

Doch nehmen wir euch nicht den Spaß
und sagen: „Ja, wir glauben das.“
Fröhlich beißen wir ins Gras,
überlassen euch der Farce.
 
***
Tolle Zeiten
 
Im Kanzleramt wird heut gedöst,
Zufriedenheit und Zuversicht.
Man hat Probleme rasch gelöst
und neue kommen nicht in Sicht.

Die Lösung war so kinderleicht,
einfacher als Kaffee kochen.
Wenn Brot nicht mehr für alle reicht,
verteilt man eben Hühnerknochen.

Ein ausgedünnter Mittelstand
wird als nobles Ziel betrachtet.
Und fährt die Wirtschaft an die Wand,
so ist es nichts, worauf man achtet.

Der Arbeitsmarkt ist am gesunden,
man hat sich lang genug brüskiert,
bis eine Lösung ward gefunden:
Die Armen wurden ausradiert.

Die Presse wird nicht Ernst genommen,
Proteste schon im Keim erstickt.
Und wird nicht mit dem Strom geschwommen,
dann wird man mit Beton bestückt.

Heissa, das sind tolle Zeiten,
die sich da dem Auge bieten.
Im Sumpf der Überheblichkeiten
regieren nun die größten Nieten.

***

Zukunft? Unvernunft!
 
Dort, wo dereinst Dichter sangen,
liegt das Feld nun unberührt.
Des Denkers hohle, bleiche Wangen
bleiben fortan unrasiert.

Philosophen schichten Bücher,
formen einen Scheiterhaufen.
Künstler falten Seidentücher
und Schreiber sieht man nur noch saufen.

Liedermacher auf Entzug,
des Volkes Stimme nur ein Stöhnen,
Politik als Staatsbetrug,
Kinder, die der Flasche frönen.

Kirchenfreunde, ohne Glauben,
Heidentum, weil's modisch ist.
Priester, die gern Unschuld rauben,
Justitia hat sich verpisst.

Mahner liegen in den Betten,
haben all das Warnen satt.
Wenn wir Perspektiven hätten,
fände wohl ein Umschwung statt.

So lasst uns nun den Geist begraben,
füllt in Särge den Verstand.
All die schönen Geistesgaben
verrotten hier, in diesem Land.
 
***
 
Es ist vollbracht
 
Ein Licht fällt auf den Bundestag,
lässt engelsgleich Gesichter strahlen.
Es ist vollbracht, nie mehr die Plag'.
Nie wieder gibt es Wahlen.

Die Minister hüpfen singend
über die verbrannten Wiesen,
lassen lieblich Lieder klingen,
möchten feiern und genießen.

Harfenklänge sanft begleiten
der Führungskräfte Monolog.
Nein, kein Mensch kann's noch bestreiten,
übers Kuckucksnest ein jeder flog.

Kein Jammern aus der Unterschicht,
die wurde zu Gebeinen.
Doch stört es die Minister nicht.
Warum um Tote weinen?

Mittelschicht und Industrie,
alle sind nun endlich fort.
In dieser feinen Utopie
ist Deutschland ein so stiller Ort.
 
***
 
Das Bäumlein
 
Bäumlein, Baumlein, gib fein Acht,
wirst bald zu Papier gemacht,
wirst beraubt der Laubespracht.
Hörst du, wie die Säge lacht?

Bäumlein, Bäumlein, bist so klein,
wünschst, du könntest größer sein.
Selbst im Wald bist du allein,
denn es ist der Riesen Hain.

Bäumlein, Bäumlein, sei nicht dumm,
schau dich nur genauer um.
All die Riesen, schief und krumm,
werden plötzlich starr und stumm.

Bäumlein, Bäumlein, sieh nur, dort!
Von deiner Art gibt’s mehr am Ort.
Sie können auch, wie du, nicht fort,
doch ergreifen sie mit Mut das Wort.

Bäumlein, Bäumlein, werde laut,
dann schont die Säge deine Haut.
Es nunmehr bald den Riesen graut,
sie haben nur auf Sand gebaut.

Bäumlein, Bäumlein, sieh den Fall
der krummen Riesen, überall.
Sie gehen dahin im Widerhall.
Nun siehst auch du den Sonnenball.

Bäumlein, Bäumlein, wachse nun,
ganz, wie es die Gefährten tun.
Lass Riesen im Vergess'nen ruh'n
und bleibe gegen Gier immun.
 
***
 
Baumgeflüster
 
Ein alter Baum von Fernweh spricht,
der junge Baum, der kennt das nicht.
Die Wurzeln ankern noch nicht tief,
noch wuchsen Äste krumm und schief.
Standhaft sein sieht er als Tugend,
es ist die Einfachheit der Jugend.

Ein alter Baum im Wind sich biegt,
der junge Baum sich fröhlich wiegt.
Noch ist das Holz reich angefüllt
mit Lebenskraft, die sich enthüllt,
wenn alle Früchte, süß und groß,
im Herbst bedecken Mutters Schoß.

Ein alter Baum die Last erträgt,
der junge Baum sich tapfer schlägt.
Er möcht' nicht mehr so biegsam sein,
möcht' starke Äste, hart wie Stein.
Doch braucht es dazu viele Jahre,
so ist Geduld das einzig Wahre.

Ein alter Baum, den man nicht fällt,
der junge Baum erfrischt die Welt.
Es bleiben beide, Seit' an Seit',
im ew'gen Hain stets eingereiht.
Sie trotzen Wetter, Mensch und Tier.
Es heißt, sie flüstern auch in dir.
***

Über die Politik
 
Linksherum und rechtsherum,
so geht’s im Ministerium.
Heute noch ganz bürgernah,
hoch gelobt, ein Medienstar,
morgen schon die Schreckgestalt
im Sozialvernichtungswald.

Wird die Schelte dann zuviel,
dankt man ab im großen Stil,
zeigt sich nochmal ganz human,
nicht gekränkt, nein, unbeugsam.
Man geht nur mit erhob'nem Haupt,
Geld hat man genug geraubt.

Außerdem gibt’s ja Bezüge
im Ruhestand noch zu genüge.
Da nagt auch kein Gewissen mehr,
dass der Armen Los zu schwer.
Vielleicht noch übers Ego schreiben
und sich mehr Geld einverleiben.

Nun gehört man automatisch
zu den Weisen, ist sympathisch.
Vergessen ist die Streiterei
und Regententeufelei.
Lächelnd sieht man hin ins Land
und ignoriert den Flächenbrand.
 

***

Sparpaket

Ja, das Land muss sparsam sein,
so spart man denn auch Kinder ein,
die Opposition, die spart sich Worte
und von ganz famoser Sorte
ist der Regierung Sparsamkeit,
die spart sogleich an Menschlichkeit,
an Verstand, Sozialgewissen,
an Verfassungshindernissen,
man spart sich auch das Kreischen
der Gutverdiener und der Reichen,
die geifern und mit Klauen halten,
was das Lande heilt vom Spalten.

 
***

 

Stubenfliegen
 
Fleißig wird gewetzt
das Messer für des Armen Kehle
und dabei gehetzt,
dass er faul wär' und nur stehle.

Emsig wird missachtet,
was ein Mensch an Würde hat
und dabei entmachtet
die Menschlichkeit in diesem Staat.

Eifrig wird entstellt,
was sich so wahrhaftig zeigt
und dabei geprellt
der Zahler, der nach unten steigt.

Stolz gibt sich die Riege,
die das Loch so endlos tief gegraben
und jede Stubenfliege
wähnt sich über Schimpf erhaben.

***
 

Immerdar

Die Welt um mich herum
zerbricht.
Niemand sagt: „Kehr um!
Geh nicht!“
Du hältst meine Hand,
so fest,
führst mich durch das Land
der Pest.
Und leiten lass' ich mich
allein
von dir und nur durch dich
wird mein
Herz von vielen Leiden
gesunden,
bis am End' wir beiden
sind verschwunden.
Und ist die Welt am Eis
erstickt,
kein Drehen mehr im Kreis,
verstrickt
im Stacheldraht der Mächte,
die glauben,
wir alle seien Knechte,
verstauben.
Und bleibt mein Lächeln kalt,
verzerrt,
bleibt doch nicht der Halt
versperrt,
den die Arme dein mir geben,
immerdar.
So wird’s verdorb'ne Leben
wunderbar.


***
 
Es geht ein Raunen …

Das letzte Hemd vom Leib gerissen,
um Hab und Gut und Geld beschissen.
An den Pranger wird gestellt
auch der, der sich an Regeln hält

Aus dünnem Glas ist alles Leben,
für die, die auf dem Boden kleben.
Schuldig sind sie allesamt,
vorverurteilt und verdammt.

Nicht so bei den großen Tieren,
solche, die sich niemals zieren,
ihre Taschen prall zu füllen
und zugleich vom Sparen brüllen.

Erhaben, blind vor Gier,
sind sie dennoch Tier.
Nicht anders als wir Maden,
die im eig'nen Blut sich baden.

Nun, da Masken fallen,
Geier nach Kadavern krallen,
geht ein Raunen durch die Massen,
ob manch' Wort zur Tat will passen.

Doch die schmecken diese Worte fad,
jedes Tun ist ein Eklat
gegen Würde und Verstand.
Wunderbares Lügenland.

Wird ein Flüstern bald zum Schrei,
bricht die Seele jäh entzwei.
Erst wenn die Welt in Fetzen liegt,
ist die Armut rasch besiegt.



***

Dankeschön

Ich danke den Ministerreihen,
Wirtschaftsbonzen, großen Haien,
denn ohne ihre feisten Lügen
müssten wir uns selbst betrügen.

Danke für verlorenes Recht,
ist es doch für Arme schlecht,
da sie ohnehin nur klagen
und viel zu oft die Wahrheit sagen.

Danke für zermalmte Wälder,
für soziale Minenfelder,
für Versprechen, die gebrochen,
für Herzen, die nun nicht mehr pochen.

Ich danke diesem Bundesstaat
für jede finst're Moritat,
und danke für die Dreistigkeit,
mit der ihr mit dem Teufel geigt.

Dank euch für den Niedriglohn,
für all den Spott und all den Hohn,
den ihr uns entgegenbringt,
wenn uns dieses Leben stinkt.

Vielen Dank für hohle Phrasen,
für die tollen Seifenblasen,
die all eure Worte formen.
Schönen Dank für Lebensnormen.

Danke, danke, tausendfach.
All das Danken macht mich schwach.
Ich rutsche schon auf Knien,
lass mich weiter runterziehen.

Vielen Dank für all den Hass,
für den Schuss ins Pulverfass.
Und auch danke für mein Ende,
das da kommt durch eure Hände.

Selbst aus dem Grab mein Dank erklingt,
tief in eure Träume dringt.
Dann hört ihr sie, für alle Zeit:
die tief emfund'ne Dankbarkeit.
 
 
***
 
Die Angst

Angst – sie kriecht hinauf den Nacken.
Unsichtbare Hände packen,
was von deiner Seele bleibt,
wenn das Leben Dramen schreibt.

Schwestern, die dir gut gewesen,
sind nun auch ein Teil des Bösen.
Brüder, die mit dir einst gingen,
hörst du Totenlieder singen.

Dein Vater hängt am alten Baum,
aus Mutters Mund quillt gelber Schaum.
Und keine Engel sind in Sicht,
kein Gott nimmt sie mehr in die Pflicht.

Kahle Wände rücken näher,
Atemluft wird zäh und zäher.
Ein Rauschen macht die Ohren taub,
in deinen Adern – nur mehr Staub.
 
 
***

Die Zauberer
 
Wir sind Zauberer, von Krähen umgeben.
Wir sind die wahren Königsmacher.
Reichtum und Macht gilt all unser Streben,
sind aller Märkte strengste Bewacher.

Kriege? Nein, die führen wir nicht,
doch sind wir ihnen nicht abgeneigt.
Uns kümmert keine Unterschicht,
wenn nur die Rendite steigt.

Wir lassen ein jedes Leben verderben,
steigert es nicht den Reingewinn.
Sollen die Armen unter uns sterben,
zu unseren Füßen gehen sie dahin.

Wir sind die verborgenen Hände,
die große Puppen zum Tanze führen.
Kein Lehrling unsere Schule beende,
bei dem wir noch Gewissen spüren.

In unsere Reihen lassen wir ein,
wer kalt, gerissen und gierig sich zeigt.
Wir trinken auch dann vom köstlichen Wein,
wenn sich das Wasser zum Ende neigt.

Wir sind die Zauberer, die keiner erkennt,
Regenten in einer Schattenwelt.
Wer uns bei unserem Namen nennt,
weiß, dass der letzte Vorhang fällt.

***

O schöne Welt
 
   Ein Häslein hüpft im Sonnenschein,
(O schöne Welt,)
   wird bald schon totgeschossen sein.
(wie lieblich fällt)
   Das Schäflein liegt auf grüner Weide,
(das samt'ne Tuch der Nacht)
   daneben seine Eingeweide.
(in all der dunklen Pracht)
   Ach, Rehlein, sanft und gut,
(auf uns Menschlein nieder,)
   erstickst am eignen Blut.
(wir singen frohe Lieder.)

***

Wir, die Dreckfresser
 
Kaum wurde einmal Recht gesprochen,
da kommen sie schon angekrochen,
die Räudigen der zweiten Reihe,
auf dass der Hass im Land gedeihe.
 
Den scharfen Keil, den wetzt man schon,
zu spalten die Sozialnation.
Mit Füßen auf die Schwächsten trampeln,
das kann der Staatsmann durch sein Hampeln.
 
Man darf ja nicht die Luftversprechen
an all die reichen Gönner brechen.
Da bricht man lieber das Genick
der Ärmsten mit verbalem Trick.
 
Es ist ja keine Hungersnot,
die in diesem Staate droht.
Zu fressen gibt es ja den Dreck
der Politik auf Festgedeck.
 
***

Mach das Licht aus

Frohsinn, feiern, Komasaufen,
mit Freund Hain ums Dasein laufen.
Klappt ganz gut, auch ohne Sinn.
Im Leben stehen – mittendrin.

Neues Handy wird begehrt,
ist wohl einen Totschlag wert.
Und geht das Geld einmal zur Neige,
wird geraubt, brutal und feige.

Stärkster sein in einer Gruppe,
allein der Schwächste in der Suppe,
die Tag für Tag durch Straßen fließt
und ihr Grau auf Buntes gießt.

Vorne geht es nicht mehr weiter,
kein Zurück, die Welt bleibt heiter.
Träume in Beton gefasst,
es wird geneidet und gehasst.

Perspektiven für das Morgen
fehlen, schenken denen Sorgen,
die noch etwas menschlich sind
oder aber einfach Kind.

Atmosphäre – löchrig, dünn.
Irgendwann sind alle hin.
Oben wird noch diskutiert,
um welches Maul man Honig schmiert.

Warum dann noch Hoffnung fassen,
wenn sich alle eifrig hassen,
dieses aber gut verstecken,
indem sie sich zur Sonne strecken?

Mach das Licht aus, wenn du gehst,
damit auch du im Dunkeln stehst
und noch einmal alles siehst,
was dem Menschen heilig ist.

***

Unter Linden

Es ist der Samstag noch nicht alt,
bei Sonnenschein wird keinem kalt,
da stürmt die Herde, wacker, wacker,
in Frömmigkeit den Gottesacker.

Gerda eilt gleich vorne weg,
in einer Hand das Grabgesteck,
mit der andern stützt sie sich
auf den Gehstock – fürchterlich.

Hinter ihr, mit viel Geschnatter,
der ganze Rest, den der Gevatter
bis heute noch nicht mitgenommen.
Doch wird er auch zu denen kommen.

Wenn einer nun in stiller Trauer
weilt vorm Grab, ist's nicht von Dauer.
Wüst wird sein Gebet gestört,
da man's Geschwätz nicht überhört.

Ein altes Paar weilt unter Linden,
man möchte es als schön empfinden.
Doch könnt' man in die Köpfe schauen,
würd's einen frösteln voller Grauen.

In Gedanken sieht er schon,
seine Frau, die fliegt davon.
Sieht sie dort im Grabe liegen
und sich selbst vor Lachen biegen.

Auch die Frau hätt's gar so leicht,
sobald ihr Mann endlich erbleicht.
Sie lächeln sich einander zu,
sehen den andern in der Truh'.

Zur Inspektion wird nun geblasen:
Ist getrimmt der grüne Rasen?
Sind die Gräber einwandfrei
oder ist auch Schund dabei.

Da schreit die Hedwig laut und hell:
„Gott, der Herr, kommt alle! Schnell!“
Auf einem Grab, oh weh, oh weh,
wächst das Unkraut in die Höh'.

Also wird zur Tat geschritten:
Mit Krückenhieben und mit Tritten
liegt die Pflanze bald in Teilen,
niemand kann sie jetzt noch heilen.

Ein kleines Mädchen kommt herbei,
angelockt von dem Geschrei.
Ihr Vater hält sie bei der Hand
und beide suchen festen Stand.

So grausam ist, was sie erblicken,
des Vaters Stimm' droht zu ersticken:
„Mein Töchterchen, nun weine nicht,
auch wenn dir fast das Herz zerbricht.“

„Ach, Papa, meine Blume, sieh!
Nun freut die Mama sich doch nie.“
Kind und Vater gehen stumm
und Gerda meint: „Pah, sei es drum.“

„Unkraut hat hier nichts verloren“,
flüstern alle ganz verschworen.
„Was bringt der auch sein Kind
dorthin, wo die Toten sind?“

Als der Pfarrer just erscheint,
glaubt man, dass er sich vereint
mit der Friedhofswachschwadron,
doch ist er streng in seinem Ton:

„Schämen solltet ihr euch alle,
kommt hierher und bringt zu Falle
was an Frieden dieser Ort
geben soll. Nun schafft euch fort.“

Brummend löst der Pulk sich auf,
doch wie's so ist im Weltenlauf,
wird am nächsten Samstag Morgen
die Schar für neue Unruh' sorgen.
 
***

Des Metzgermeisters Hilde

Des Metzgermeisters Frau, die Hilde
war wirklich Tag für Tag im Bilde,
was im Dörfchen vor sich ging,
wer an wessen Lippen hing,
wer die Arbeit hatt' verloren,
welcher Meineid wurd' geschworen,
wessen Kind so schlecht geraten -
ja, die Hilde roch den Braten.

Schnitt die Wurst sie fein in Scheiben,
konnt' kein Wort verborgen bleiben.
"Grad war eine Kundin da,
deren Sohn ist sonderbar",
sprach sie leis' zu großen Ohren,
denn der Tratsch wird sanft geboren.
"Es heißt er stehle, nehme Drogen.
Doch, ich weiß es, ungelogen."

Alle stimmten nickend zu
und verdammten dann im Nu
die ganze Jugend, die verdorben.
"Für mich ist diese Frau gestorben,
die nichts Gutes führt im Schilde",
gab bekannt die schlaue Hilde.
"Die betrügt auch ihren Mann,
der ja gar nichts richtig kann."

"Jaja, jaja", sprach da der Chor,
"der Hilde macht man gar nichts vor."
Schnitzel wurden weich geklopft,
Klatsch wurd' in die Welt gestopft:
"Und des Hühnermeiers Weib,
es heißt, sie trinkt zum Zeitvertreib.
Ihr Mann will dazu ja nichts sagen,
man hört, er hätt' sie oft geschlagen."

"Wie gut, dass wir die Hilde haben",
stimmten ein die alten Raben.
"Darf es etwas Hackfleisch sein?
Der Maier Karl, das faule Schwein,
lebt bequem auf unsre Kosten,
der ist nicht krank, der will nur rosten.
Arbeit fänd' er ganz bestimmt,
doch gibt es keine, die er nimmt."

"Wie wahr, wie wahr", ertönte es
vom ehrbaren Schandmaul-Kongress.
Hildes Wissen, grenzenlos,
legte manches Leben bloß.
Doch eines war ihr nicht bewusst:
Ihr Ehemann, in seiner Lust,
hatte, ach, ganz nebenbei,
der Ehefrauen gleichwohl drei.

***

Nachbar Friedhelms Gartenteich

In Nachbar Friedhelms Gartenteich
lag heuer eine Wasserleich'.
Wie war die nur dort rein gekommen?
Gewiss ist sie nicht selbst geschwommen.

Die Mayer, grad von nebenan,
kam im Morgenmantel ran.
Sie schlug die Hände vor den Mund,
erstickter Schrei tat Schrecken kund.

Auch die Pfeffers war'n erschüttert.
Während sie das Kind gefüttert,
hielt er ihr die Augen zu,
doch gab die Gattin keine Ruh'.

"Wir brauchen wohl die Polizei,
die macht sie weg, die Schweinerei."
Herr Pastor hatte wohl gesprochen,
anders sah es Hubers Jochen.

Eifrig mischte er sich ein:
"Noch nicht, noch nicht. Oh nein, oh nein.
Zuerst brauch' ich die Kamera,
bei uns sind Morde eh' schon rar."

"Ach, das war ein Mord gewesen?",
fragte Martha, die den Besen,
mit dem die Straße sie gefegt,
noch immer nicht beiseit' gelegt.

"Das wollen wir doch alle hoffen,
obwohl - der Friedhelm hat gesoffen ...",
so sprach der Pastor in Gedanken,
schon kam des Friedhelms Ruf ins Wanken.

"Und außerdem, ich hab' gehört,
es heißt, der Friedhelm war gestört."
Nach Frau Kramers Denkanstoß
gingen die Gerüchte los.

Von Freitod war da auch die Rede,
von Drogen, Schnaps und einer Fehde
mit Schlägern, Killern, einem Paten,
Geldeintreibern und Piraten.

Der alte, wirre Ottokar
sprach von Aliens sogar.
Theorien, die so schrill und wild
passten gut ins Gruselbild.

Da meinte frech der kleine Knut:
"Am Müllsack ist kein Tropfen Blut.
Wenn man Friedhelm reingestopft,
sagt mir, warum's gar nicht tropft."

Herr Dr. März, der Seelen richtet,
hatte den Verdacht verdichtet:
"Man packte ihn in einem Stück
in den Müllsack, welch ein Glück."

Plötzlich schrie Frau Bittersüß
und fiel dem Pastor vor die Füß'.
Gar fürchterlich, was sie erblickte:
Der Friedhelm kam zum Teich und nickte.

Aus seinem Teich, da fischte er
den Sack, der offenbar nicht schwer.
"Nein, hat die Nacht der Wind geblasen,
trieb den Laubsack über'n Rasen."

Das einzig Tote da im Teich,
war nur Laub und keine Leich'.
Enttäuscht gab sich die Nachbarschaft.
Wieder mal umsonst gegafft.
***

Streng im Glauben

Gepredigt wird die Nächstenliebe,
die Sünder müssen büßen,
man tritt sie gern mit Füßen.
Glaubt wer nicht, dann setzt es Hiebe.

Auf die Knie in Furcht vorm Herrn!
Hütet euch vor seiner Rache!
Zorn ist eine feine Sache,
den nutzt man immer wieder gern.

Blutet, wie man es beschrieben.
Wer streng im Glauben, liebt's zu leiden
und nennt es Buße, die zu neiden
anderen Völkern fremd geblieben.

Verständnis ist für alle da,
sofern sie sich dem Kreuze beugen,
grenzenlose Reu' bezeugen,
für alles, das zuvor geschah.

Jeden möcht' man gleich bekehren
und kennt doch selbst die Wahrheit nicht,
hält erbarmungslos Gericht
und folgt den halben, vagen Lehren.

Christus würde sich wohl grämen,
wie ihr euren Gott verbiegt,
ihn fürchtet und im Staube liegt.
Wollt ihr ihn denn so beschämen?

Was ich wünscht', wär Akzeptanz,
es ist Platz für jeden Gott.
Doch ich fürcht', es bleibt beim Trott,
es wird geglaubt in Arroganz.

***
 
Die Suche nach dem Paradies

Manch einer glaubt, Gott hätt' uns vertrieben,
so steht's im dicken Buch geschrieben.
Doch ist der schöne Garten Eden
nur nicht sichtbar mehr für jeden.

Wir schauen auf ein Meer aus Stein,
schließen Wald und Wiesen ein.
Oder sperren wir sie etwa aus,
die Welt, die lebt um unser Haus?

Beschnitten wird sie und geschändet,
auch wenn es in Verderben endet.
So ist der Mensch in seinem Wahn
ein Schlächter jeder Lebensbahn.

Das Paradies ist rings umher,
liegt in Wäldern, Bergen, Meer.
Es ist nicht fort, ist nicht verschwunden,
es trägt nur viele tiefe Wunden.

***
 
Begegnung in einer Winternacht

Still schwebt der Schnee auf verwaiste Straßen,
mein Gang durch die Stadt, von bleierner Schwere.
Denk an all das, was wir Menschen vergaßen,
von Gram zerfressen schmerzt die seelische Leere.

Herausgeputzt mit edlem Gehstock und Hut,
Mantel und Stiefel – all das zeugt von Geld.
Man sollte meinen, mir ginge es gut,
ein richtiger Herr, dem das Leben gefällt.

Doch ist all der Wohlstand nur nutzloser Tand,
wenn durch Blutgeld erworben ein Ding.
Ich bringe den Tod durch meine Hand,
manch Leben schuldlos in Demut verging.

In meiner Jugend schien es verlockend,
der Mächtigen eigener Schnitter zu sein.
Verbrachte Stunden im Schatten hockend,
trank mit Adel und Klerus den besten Wein.

Wer genügend klingende Münze mir bot,
dem machte ich rasch alle Wege frei.
Ich stürzte Familien in bitterste Not,
deren schreckliches Los war mir einerlei.

Wer an einem Tag meine Gunst erwarb,
konnt' schon am nächsten durch mich fallen.
In meinem Herzen alle Liebe erstarb
und heute spür' ich des Teufels Krallen.

In dieser gar eisigen Winternacht
werd' ich einem Jüngling begegnen.
Wenn in seiner Seel' das Feuer erwacht,
kann selbst der Heiligste ihn nicht mehr segnen.

Sollte er's wagen und Blut vergießen,
bin ich frei, doch er bleibt verloren.
Besser für ihn, das Buch gleich zu schließen,
denn leicht ist dem Leben abgeschworen.

Ich werde ihn bitten, mir zu gestatten,
mein schändliches Dasein selbst zu richten.
Er soll sie meiden, die mächtigen Ratten,
sonst wird er selbst seine Seel' vernichten.

Er kommt mir entgegen, es blitzt eine Klinge,
ich packe ihn fest an seiner Hand.
Mein Blick in seine Augen nun dringe,
es bringt ihn fast um seinen Verstand.

Er erkennt das Elend, das ihn erwartet,
lässt ab und entschwindet im Dunkel.
Noch ist sein Wesen nicht entartet,
noch wurd' sein Herz nicht zum garst'gen Furunkel.

Ich ziehe weiter, hinein in die Finsternis,
die mir zu meinem Schicksal gereicht.
Wer den wahren Wert des Seins vergisst,
hat in der Welt weiter nichts erreicht.

***

Beltane

Entzündet die Feuer, zum Tanze seid bereit.
Ehret das Leben zur Maienzeit.
Verlasst das Gemäuer, sucht Rat bei den Weisen,
wandelt erhaben auf Schicksalsreisen.

Gebet euch hin der Lebenslust.
Die Mutter erblüht, erlebt es bewusst.
Altes Leid, bleib nun zurück!
Schwelgt voller Freude im neuen Glück.

Von Geburt und Blüte mögt ihr singen,
selbst Missglücktes kann nun gelingen.
In ihren Augen sind wir alle gleich,
Kinder in ihrem Erdenreich.

Entzündet die Feuer, die Welt erwacht.
Vorbei ist die lange und kalte Nacht.
Grimmer Frost, magst nun gehen,
bis wir im Winter erneut dich sehen.

Tanzt in Freud' den Feenreigen,
atmet den Duft von jungen Zweigen.
Labt euch wohl an Speis' und Trank,
beweist der Göttin euren Dank.

Spürt die Kraft, die euch gegeben,
wir wollen noch viele Feste erleben.
Schützt Mutter Erde, es gibt nur die eine.
Es liegt in unserem Willen alleine.
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