Sven Späters Wortgrotte
 
  Home
  Der Autor
  Kurzgeschichten
  => McFinns Weide (Horror)
  => Die Schatten im Nebel (Horror)
  => Mein Traumfeind (Horror)
  => Schlurfende Elfen (Fantasy, Humor)
  => Dämonenstreik (Fantasy, Humor)
  => Lange Fahrt (Horror)
  => Jugendschutz in Deutschland - Schärfer als Chili (Satire)
  => Der verlorene Traum (Horror)
  => Naturinstinkt (Horror)
  => Eine Sache von Minuten (Horror)
  => Blauer Dunst (Horror)
  => Eine magische Nacht (Fantasy, Humor)
  => Paladin (Fantasy)
  => Vom mutigen Feigling und dem ängstlichen Helden (Märchen)
  => Das verschwundene Volk (Märchen)
  => Das wertvollste Geschenk (Märchen)
  => Speed Love (Humor)
  => Die Suppe ist versalzen (Drama)
  => Gesegneter Schulsport (Realsatire)
  => Kukident-Lachen (Realsatire)
  => Prinz Admin von Buren und die Forentrolle
  Gedichte
  Songtexte
  Aphorismen
  Fortsetzungsroman
  Leseproben
  Malen und Zeichnen
  Veröffentlichungen
  Links
  Gästebuch
  Kontakt
  Newsletter
  Impressum
Schlurfende Elfen (Fantasy, Humor)
"

Im Thronsaal herrschte eine Stille, die in elfischen Thronsälen erwartet wurde. Es gab nicht sonderlich viel zu regieren für V'leth Sa'keth, den König des Elfenvolkes. In den letzten einhundert Jahren hatte sich kaum etwas getan, das eines Monarchen tatsächlich bedurfte. Man lebte mit den übrigen Völkern in Frieden, hütete den Wald und die jungen Wilden unter dem edlen Volk begaben sich hin und wieder auf Abenteuersuche. Nichts, das den Hof etwas anginge.

So verbrachte der König seine Tage damit, einige Stunden auf seinem Thron zu sitzen und etwas Verwaltungsarbeit hinter sich zu bringen. Die restliche Zeit nutzte er für ausgedehnte Spaziergänge und Studien.

Doch an diesem Tag wurde die angenehme Stille durch den Laut eilender Füße im Korridor gestört. Bevor V'leth sich noch darüber wundern konnte, wer es denn so eilig hatte, öffnete sich die Tür und sein Neffe kam hereingestürmt. Das Gesicht des jungen Elfen, der als Kundschafter im Dienst seines Onkels stand, war eine Maske reinen Entsetzens. Schwer atmend kam er vor dem Thron zum Stehen und verbeugte sich flüchtig.

Majestät, Majestät“, keuchte er. „Jemand ist in unseren Wald eingedrungen und macht sich über unser Volk her.“

König V'leth schaute verwundert: „Wer sollte das denn sein? Wir befinden uns mit niemandem im Krieg. Und Orks oder Goblins habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr in diesem Teil der Welt zu Gesicht bekommen.“

Untote, Majestät“, gab der junge Elf von sich, „es sind Horden von Untoten. Zombies!“

So? Nun, das ist doch kein Grund zur Panik. Es kommt hin und wieder vor, dass sich verstorbene Menschen aus ihren Gräbern erheben. Die Menschen hantieren ja auch mit schwarzer Magie herum, da passiert so etwas schon mal.“

K'lahir schüttelte heftig seinen Kopf und rang nach den richtigen Worten. Dem Kundschafter fiel es offensichtlich schwer, das Gesehene zu beschreiben. Nach zwei misslungenen Versuchen, setzte er nochmals an und es kam aus seinem Mund gesprudelt: „Nein, Majestät, das sind keine üblichen Zombies. Es … es sind … untote … Elfen.“

Jetzt war es draußen. Das Undenkbare war gesagt worden und konnte nicht wieder zurückgenommen werden. Ungläubig betrachtete der König eingehend seinen Neffen, der offensichtlich nicht mehr ganz richtig im Kopf sein konnte. Untote Elfen. Einen derartigen Blödsinn hatte er noch nie gehört.

Wenn das ein Scherz sein soll“, warnte V'leth und zeigte königliche Strenge in seinem Blick.

Kein Scherz, kein Scherz. Es ist wahr. Tote Elfen erheben sich und wandeln über die Erde. Sogar mitten durch den Wald.“

Allmählich wandelte sich König V'leths Unglauben in Besorgnis. Wenn das tatsächlich der Wahrheit entsprach, konnte es zu einem echten Problem werden. Nicht nur, dass Elfen zu dem fast unsterblichen Volk gehörten, dessen Vertreter erst starben, wenn ihnen danach war oder wenn sie gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden, es konnte auch nicht angehen, dass sich die Toten der edelste Rasse der Welt zu einem derart schäbigen Verhalten herabließen.

Ohne länger zu zögern ließ der König nach seinen Ministern schicken. Dieser Vorfall duldete keinen Aufschub und musste dringend diskutiert werden.

Als die Berater und Verwalter von der Weisung erfuhren, sich unverzüglich im königlichen Palast einzufinden, ließen sie ihre Arbeit auf der Stelle stehen und liegen. Sie machten sich geschlossen auf den Weg zu ihrem König. Es handelte sich offenbar um eine ernste Angelegenheit. Im Grunde die beste Gelegenheit, nach etlichen Jahren die guten Roben zu präsentieren.

Durch den Wald marschierten nun prunkvoll gekleidete Elfen und jeder machte ein sehr wichtiges Gesicht. Ihre Gewänder wallten, wie es nur die Gewänder hoher Elfenwürdenträgern konnten. Insgesamt eine imposante Sache.

Jeder Minister ignorierte an ihn gerichtete Fragen, was denn los sei. Einerseits konnten die Berater des Königs noch nicht sagen, um was es sich handelte, andererseits hatte das gewöhnliche Volk ohnehin die Nase nicht in Staatsangelegenheiten zu stecken.

Im Besprechungszimmer wartete bereits König V'leth Sa'keth und beschäftigte sich mit dem achten Becher Ambrosialikör. Seine Nerven lagen blank, doch das durfte er niemandem zeigen. Immerhin war er König und da hatte V'leth in jeder Lage seinen unerschütterlichen Glauben an die Ehrbarkeit der Elfen aufrecht zu halten. Inwiefern ihm das noch gelingen mochte, wenn er weiteren Likör trank, soll an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Beim Eintreffen seiner Minister versteckte der König rasch die wertvolle Flasche. Am Ende hätte man von ihm erwartet, das köstliche Getränk dem Beraterstab anzubieten.

Um einen riesigen Tisch aus feinstem Marmor versammelt, wurde die Lage besprochen. Anfangs lachten einige der Minister und hielten die Ausführung ihres Herrschers für einen Scherz. Andere wiederum, die gelehrtesten der Gelehrten, behielten ihre versteinerte Miene bei und begnügten sich mit Hochziehen einer Augenbraue. Ein Zeichen dafür, dass sie das Thema irgendwie interessant fanden.

Letztendlich schaffte es der König, seine Minister von der Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit der Situation zu überzeugen. Die Bezeugung der Ereignisse durch den Neffen des Königs und das Eintreffen einer Nachricht, dass die erste Elfensiedlung von Horden untoter Elfen dem Erdboden gleich gemacht worden war, untermauerten die vermeintlich absurde Geschichte. Es wurde diskutiert und beredet, gestritten und versöhnt, bis sich T'hord M'reth zu Wort meldete und einen äußerst klug klingenden Vorschlag unterbreitete:

Majestät, meine Herren, wie mir scheint, ist diese delikate Lage nicht einfach zu handhaben. Nun, ich schlage vor, unsere Zaubermeister befragen die Geister der Ahnen, was hier zu tun wäre.“

Einstimmig wurde angenommen und sogleich schickte der König einen Boten zu den Weisen der ältesten Magie. Zwei Tage vergingen. Dann, endlich, trat der Erzmagier höchstpersönlich vor den König und seine Minister und gab seinen Bericht ab: „Großer König, edle Herren, meine Kollegen und ich selbst haben alles versucht, mit den Ahnen in Kontakt zu treten, aber wir stießen leider auf unüberwindbare Probleme.“

Welche Probleme könnten das sein, die nicht einmal der Erzmagier aus der Welt zu schaffen weiß?“, fragte König V'leth.

Nun … wie soll ich das erklären … ich sage es frei heraus: Diese Zombies, diese elfischen Untoten … sie SIND unsere Ahnen.“

Oh“, entgegnete der König. Seine Minister stimmten mit ein und gaben ihrerseits ein „Oh“ von sich.

 

Ich habe versucht, mit ihnen auf astraler Ebene zu kommunizieren“, fuhr der Erzmagier fort, „aber ihre einzigen Antworten waren im genauen Wortlaut: Urgh! Argh! Gnnnarrr! und Uuurrrh!

Unter den Ministern herrschte Einigkeit, dass sie keine Ahnung hatten, wie denn jetzt weiter zu verfahren sei. Natürlich gaben sie es nicht zu, sondern taten vielmehr als wüssten sie genau über alles Bescheid.

Wieder wurde diskutiert, bis weitere drei Tage vergangen waren. Den Vorschlag, einige Paladine aufzutreiben, mussten die Elfen aufgeben. Auch unter den Zombieschlächtern in Rüstung war diese Seuche ausgebrochen. Da Paladine Zombies jedoch abgrundtief hassten, hatten sie sich alle selbst gefressen, nachdem sie zu ihren Erzfeinden geworden waren.

Am dritten Tag unterbrach ein weiterer Besuch des königlichen Kundschafters die fleißige Beratung.

Mein König, mein König! Sämtliche Zwerge sind nicht mehr.“

Ach“, meinte V'leth, „das ist nicht neu. Das Zwergenvolk ist grundsätzlich verschwunden. Hier und da tauchen noch welche auf, die dann die allerletzten Vertreter ihrer Art sind, aber insgesamt kennt man die Zwerge nur als längst verschwunden.“

Nein, Ihr versteht mich falsch. Dieses Mal ist es wirklich so“, beharrte der junge Elfenbote. „Sie haben sich restlos alle in Untote verwandelt und steigen aus ihren Berghöhlen.“

N'irkah M'she, der königliche Minister für innere Angelegenheiten quiekte laut: „Bei den Ahnen, die Zwerge sind wieder aufgetaucht. Nun ist das Ende der Welt wahrlich nicht mehr fern.“

Ja, da musste man dem Minister zustimmen. Während der Elfenrat noch weiter tagte und diskutierte, veränderte sich die Welt jenseits des Beratungszimmers. Es wurde still und nur noch das Schlurfen untoter Füße erklang. Ewig Hungrige auf der Suche nach Nahrung hatten längst die Oberhand gewonnen und Unzählige von ihnen bewegten sich auf den Palast des Elfenkönigs zu.


Es waren schon 21068 Besucher hier!
 
   
Werbung  
  "  
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=